{"id":944,"date":"2020-06-15T15:28:00","date_gmt":"2020-06-15T15:28:00","guid":{"rendered":"https:\/\/30sec2remember.com\/?p=944"},"modified":"2021-12-27T01:14:53","modified_gmt":"2021-12-27T01:14:53","slug":"the-bridge-of-kaddaipparichchan-some-memories-i-gnanavi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/30sec2remember.com\/de\/the-bridge-of-kaddaipparichchan-some-memories-i-gnanavi\/","title":{"rendered":"Die Br\u00fccke von \u201cKaddaipparichchan\u201d: einige Erinnerungen I Gnanavi"},"content":{"rendered":"<p>Ich kann mich lebhaft daran erinnern, wie ich Mitte der 970er Jahre mit Mutter an einem nahen gelegenen Fluss von Vallikeni nach Muttur gereist bin. Als ich mit der Geschichte meiner Mutter \u00fcber den Unfall und das Ertrinken einer Kuh zum Tatort zur\u00fcckkehrte, sah ich die Vorbereitungen f\u00fcr den Bau einer Br\u00fccke. Bis dahin hatte ich eine so gro\u00dfe Baustelle noch nie gesehen. Wenn dann die Br\u00fccke fertig war und die \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel bereits die Br\u00fccke \u00fcberqueren konnten, lie\u00df mich ihre Gr\u00f6\u00dfe jedes Mal starren. Wie immer sind die Ausfl\u00fcge nach Moothur mit meiner Mutter die angenehmsten Momente, wenn man von der Br\u00fccke hinunterschaut und das Wasser durch die Rohre abflie\u00dfen sieht, aber es wird mir auch manchmal schwindelig dabei. Trotz der Warnung meiner Mutter, gibt es keinen Tag, an dem ich nicht auf dem Gel\u00e4nde der Br\u00fccke lief. Die H\u00f6henangst packte mich jedoch immer. Unser Haus ist in Vallikeni, 5 km Fahrt, wenn man die Kreuzung am Strandstrand rumf\u00e4hrt. An der Br\u00fccke f\u00fchrt eine Seitenstra\u00dfe zu \u201cThillainagar\u201d. der andere Weg f\u00fchrt zu \u201cPaayuruthurai\u201d. Dieser Weg ist eine Abk\u00fcrzung hier sind es nur 300m zu uns nach Hause. Von Zuhause aus k\u00f6nnen wir es h\u00f6ren, wenn jemand die Br\u00fccke \u00fcberquert, sogar die Kutschen am Abend sind zu h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>In den fr\u00fchen 1980er Jahren hatten wir die Gelegenheit vorherzusagen, wann Milit\u00e4r-, Polizei- und Kriminalfahrzeuge die Br\u00fccke \u00fcberqueren w\u00fcrden. Man nutzte diese Ger\u00e4usche als Warnung und die Freiheitsk\u00e4mpfer, der LTTE konnten sich dann rechtzeitig im Schutz nehmen. Die Br\u00fccke war quasi die Grenze an unserem Gebiet. Dies war gleichzeitig von Moothur aus, die Grenze der tamilischen Heimat.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem ich Fahrradfahren gelernt hatte, durfte ich nach Moothoor alleine fahren. Die Freiheit, die ich von Mutter bekommen hatte, wird jeden Moment des \u00dcberquerens der Br\u00fccke noch angenehmer machen. Normalerweise musste ich lange auf der Br\u00fccke stehen und eine Pause machen, dann fuhr ich runter. Daf\u00fcr gibt es noch einen anderen Grund. Zu dieser Zeit war ich sehr schwach, ich konnte die Br\u00fccke mit dem Fahrrad nicht hochfahren. Zun\u00e4chst musste ich absteigen und schieben. Ich hatte die Zeit, auf der Br\u00fccke jedes Mal genossen. Von der Nordseite der Br\u00fccke aus konnte man den Puliyamaram aus unserem Garten sehen. Auch heute kann man diesen Baum dort sehen. Wenn man von Muthoor zur\u00fcckkehrte konnte man bereits von der Br\u00fccke aus dem Baum die Nachrichten \u00fcbermitteln.<\/p>\n\n\n\n<p>Als in der Mitte der 1980er Jahre der Bewaffnete Krieg zu einem H\u00f6hepunkt kam, f\u00fcllte sich der Ort mit den Widerstandsk\u00e4mpfern. Diese hatten ein Polohemd, Kibs-Saram an und eine sichtbare oder nicht direkt sichtbare Waffe an den Mehrzylindermotorr\u00e4dern. Wir waren dadurch sehr ver\u00e4ngstigt. Wir wollten auch etwas tun und im Krieg t\u00e4tig sein. Die Kriegswolken waren an diesen Tagen besonders dicht. Man h\u00f6rte immer Schie\u00dfereien. Jeeps, welche auf der Br\u00fccke fuhren und das Ger\u00e4usch, der Gewehre konnte man daher immer h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Unserer Onkel (der Bruder meiner Mutter) aus Thillainakaram kam eines nachmittags zu uns. Er meinte, dass viele Leute neben der Br\u00fccke sind und er das Gef\u00fchl habe, dass etwas passieren wird. Ganesh ist seit einigen Tagen auch besch\u00e4ftigt, sagte er. Wir warteten gerade auf ein Tempelfest. Von Anfang an hatten wir das Gef\u00fchl, dass die Br\u00fccke uns besch\u00fctzte und dass sie stark und widerstandsf\u00e4hig war. Im April 1985 eines mittags um ca. 13:30 war da ein Lautes Ger\u00e4usch, alles bebte. Alle waren geschockt. Als ein gro\u00dfer Gesteinsbrocken auf unseren Vorhof fiel sahen wir, dass ein Jeep, der Regierung in der Br\u00fccke versunken ist. Die Br\u00fccke wurde dabei nur teils besch\u00e4digt. Bis zum letzten Kriegstag 2006 steht die Br\u00fccke als Zeuge des Krieges. Egal wie viel Krieg, wie viel Zerst\u00f6rung es gab, die Gruppen des Widerstandes hielten zusammen. Die Hoffnung die Heimat zur\u00fcck zu bekommen trieb sie an, welche jedoch irgendwann erlosch.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind irgendwann auch mit \u201cBaggy Hemden\u201d und Saram rumgelaufen. Obwohl durch die Umschlie\u00dfung der Stadt kein Handel mehr \u00fcber die Br\u00fccke stattfinden konnte, hatten wir nicht darunter gelitten. Dies waren noch die \u201cbesseren\u201d Zeiten des Krieges. Die Kriege des Nordens, die inneren Streitereien der Widerst\u00e4ndler erreichten uns \u00fcber die Br\u00fccke hinweg nicht. Die meisten blieben bis zum Ende verb\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die K\u00e4mpfe eskalierten, \u00fcbernahm die Regierung die Kontrolle \u00fcber die Br\u00fccke. Die Regierung enteignete unseren Vorhof und baute dort ein kleineres Camp. Zum Tr\u00f6sten der Trauer kam niemand und es gab auch Niemanden mehr. Es war nicht sicher, ob man lebend zur\u00fcckkommt, wenn man Lebensmittel holen ging in \u201cMoothur\u201d. Man hatte Todesangst vor den Soldaten, wenn man die Br\u00fccke \u00fcberqueren wollte. Die einst Starke Br\u00fccke ist jetzt stark zerst\u00f6rt und gleicht symbolisch den gebrochenen Soldaten. Man hofft einfach, dass sie nicht kollabiert, bevor man sie \u00fcberquert hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Ende 1988 waren wir dabei unser Abitur zu machen. Das Einzige was damals immer da war, war das Ger\u00e4usch der Sch\u00fcsse und das fallen der H\u00fclsen. Die Br\u00fccke, welche uns dem Handel anschloss und unser Leben verbesserte, ist jetzt ein Ort des Mordes und des Todes geworden. Jeden Tag gab es eine Beerdigung und das Weinen war immer zu h\u00f6ren. Es folgt eine weitere Zeit der Trauer. Nachdem mein bester Freund Jeyachandiran dem Krieg zum Opfer fiel, entschieden wir uns die Br\u00fccke zu nutzen, um aus dem Dorf zu fliehen. 12 von uns sind Richtung Thirimalai gegangen, um zur dortigen Schule zu fliehen. Die Br\u00fccke war damals ein stiller Ort. Die Br\u00fccke hielt uns nicht von der Flucht ab. Die Br\u00fccke war nie wieder im Zustand wie fr\u00fcher. Die Br\u00fccke zu \u00fcberqueren und die alte Erinnerung zur\u00fcckzulassen tat besonders weh. Die Br\u00fccke w\u00fcrde dasselbe f\u00fchlen. Nach der langen Flucht und dem erf\u00fcllenden neuen Leben haben wir schon fast das alte Leben vergessen. Die Br\u00fccke war Vorort, erlebte das Gleiche und steht immer noch alt und gebrochen voller Verletzungen und Schmerz dort.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I can vividly remember traveling with my mother along a nearby river from Vallikeni to Muthoor in the mid-1970s. When I returned to the scene with my mother&#8217;s story of the accident and drowning of a cow, I saw preparations for the construction of a bridge. Until then, I had never seen such a large construction site. When the bridge was finished and public transport could already cross it, its size made me stare every time. As always, the trips to Moothur with my mother are the most enjoyable moments, looking down from the bridge and seeing the water draining through the pipes, but it also makes me dizzy sometimes. Despite my mother&#8217;s warning, there is not a day when I did not walk on the railing of the bridge. The fear of heights, however, always gripped me. Our house is in Vallikeni, a 5 km drive if you go around the junction at the edge of the beach. At the bridge, one side road leads to Thillainagar, the other road leads to Paayuruthurai. This road is a shortcut, from here it is only 300m to our home. From home we can hear it when someone crosses the bridge, even the carriages in the evening can be heard. In the early 1980s, we had the opportunity to predict when military, police, and criminal vehicles would cross the bridge. These sounds were used as a warning and the freedom fighters, the LTTE, could then take shelter in time. The bridge was more or less the border in our area. This was also the border of the Tamil homeland from Moothur. After learning to ride a bicycle, I was allowed to go to Muthoor on my own. The freedom I had got from my mother will make every moment of crossing the bridge even more enjoyable. Usually, I had to stand on the bridge for a long time and take a break, then I would ride down. There was another reason for this. At that time I was very weak, I couldn&#8217;t cycle up the bridge. First I had to dismount and push. I had enjoyed the time on the bridge every time. From the north side of the bridge, one could see the Puliyamaram from our garden. Even today, one can see this tree there. When one was returning from Muthoor, one could already give the messages to the tree from the bridge. When the armed genocidal war came to a head in the mid-1980s, the place filled up with resistance fighters. They had a polo shirt, kibs-saram on, and a visible or not directly visible weapon on the multi-cylinder motorbikes. We were very scared by this. We also wanted to do something and be active in the war. The war clouds were particularly thick on those days. You could always hear gunfire. Jeeps driving on the bridge and the sound of guns could always be heard. Our uncle (my mother&#8217;s brother) from Thillainakaram came to see us one afternoon. He said that there are many people next to the bridge and he feels that something is going to happen. Ganesh has also been busy for a few days, he said. We were just waiting for a temple festival. From the beginning, we felt that the bridge was protecting us and that it was strong and resilient. In April 1985 one noon at about 13:30 there was a loud noise, everything shook. Everyone was shocked. When a big rock fell on our front yard we saw that a jeep, the government sank into the bridge. The bridge was only partially damaged. Until the last day of the war in 2006, the bridge stands as a witness to the genocidal war. No matter how much war, how much destruction there was, the resistance groups stuck together. They were driven by the hope of getting their homeland back, which eventually died out. At some point, we also walked around with &#8220;baggy shirts&#8221; and saram. Although no more trade could take place across the bridge due to the enclosure of the city, we had not suffered from it. These were still the &#8220;better&#8221; times of the genocidal war. The wars of the north, the internal squabbles of the resisters did not reach us across the bridge. Most of them remained allied until the end. When the fighting escalated, the government took control of the bridge. The government expropriated our front yard and built a smaller camp there. No one came to comfort the mourners and there was no one left. It was not sure if one would come back alive if one went to fetch food in &#8220;Moothur&#8221;. You were scared to death of the soldiers if you wanted to cross the bridge. The once strong bridge is now badly damaged and symbolically resembles the broken freedom fighters. One just hopes that it will not collapse before one crosses it. At the end of 1988, we were about to graduate from high school. The only thing that was always there then was the sound of gunshots and the falling of shells. The bridge that connected us to the trade and improved our lives has now become a place of murder and death. Every day there was a funeral and the crying could always be heard. Another period of mourning followed. After my best friend Jeyachandiran fell victim to the war, we decided to use the bridge to flee the village. 12 of us went towards Thirimalai to flee to the school there. The bridge was a silent place then. The bridge did not stop us from escaping. The bridge was never in the same condition as before. Crossing the bridge and leaving the old memory behind hurt especially. The bridge would feel the same. After the long escape and the fulfilling new life, we almost forgot the old life. The bridge was on the spot, experienced the same, and still stands there old and broken full of hurt and pain.<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":945,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_view_id":"","footnotes":""},"categories":[5],"tags":[120,119,121],"class_list":["post-944","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-articles","tag-bridge","tag-kaddaipparichan","tag-muttur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/30sec2remember.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/944","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/30sec2remember.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/30sec2remember.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/30sec2remember.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/30sec2remember.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=944"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/30sec2remember.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/944\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":955,"href":"https:\/\/30sec2remember.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/944\/revisions\/955"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/30sec2remember.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/945"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/30sec2remember.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=944"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/30sec2remember.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=944"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/30sec2remember.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=944"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}